
Ein Einblick in die
faszinierende Welt der Pilze,
des Myzels und wie du daraus
Neues wachsen lassen kannst.

Die Welt der Pilze ist faszinierende und noch wenig
erforscht. Pilze gehören zu den ältesten Lebewesen unseres
Planeten. Sie ermöglichten es den ersten Pflanzen
das Wasser zu verlassen und das Land zu besiedeln.
Pilze können mikroskopisch kleine Einzeller sein,
wie Hefepilze. Zugleich ist das größte uns bekannte
Lebewesen der Pilz Hallimasch in Oregon, USA. Er
erstreckt sich über neun Kilometer.
Die Verwendung von Myzel als Material für
Konstruktion und Design steckt noch in den
Kinderschuhen, birgt jedoch enormes Potenzial.
Myzelkomposit-Materialien können uns langfristig
dabei helfen, umweltschädliche Materialien zu
reduzieren.
Ich wünsche dir viel Spaß bei Entdecken und lernen!
Der Workshop und diese Seite geben
dir das nötige Wissen und die Begeisterung um
deine eigenen Myzel-Design-Objekte zu gestalten.
Das Myzel wird häufig als das Wurzelsystem der
Pilze bezeichnet, doch es ist weit mehr als das. Die
unterirdisch wachsenden, fadenförmigen Strukturen
bilden den eigentlichen Pilz. Der sichtbare Pilzkörper
ist lediglich der Fruchtkörper, vergleichbar mit einem
Apfel am Baum.
Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sie sind
Eukaryonten und bilden ein eigenes Reich. Sie
betreiben keine Photosynthese, sondern zersetzen
und verdauen organische sowie anorganische
Materie mithilfe von Enzymen. Dieser Vorgang ist
essenziell für unser Ökosystem und die Entstehung
von fruchtbarem Boden.
Viele Pflanzen gehen Symbiosen mit Pilzen ein.
In den Wurzeln von etwa 90% aller Landpflanzen
befinden sich Myzelien verschiedener Pilzarten.
Durch diese Kooperation wird die Pflanze mit
Wasser und Nährstoffen versorgt. Im Gegenzug
erhält der Pilz Zucker.
Diese Zusammenarbeit beschränkt sich nicht nur
auf den direkten Austausch mit einzelnen Pflanzen.
Über das sogenannte Wood Wide Web verbinden
Pilze verschiedene Pflanzen im Wald miteinander
und ermöglichen so die Übertragung von
Nährstoffen und Informationen.
Das Myzel unterschiedlicher Pilzarten besitzt
verschiedene Eigenschaften und Fähigkeiten.
Während einige Pilze dafür bekannt sind
verseuchte Böden zu besiedeln und schädliche
Stoffe abzubauen, arbeiten wir im Designbereich
hauptsächlich mit holzverwertenden Pilzarten,
die ein festes und strukturbeständiges
Myzel ausbilden.
Myzelgebundene Komposite basieren auf einem
mit Myzel beimpften Substrat, das aus Holz- und
Getreidespänen besteht. Wenn die Bedingungen
stimmen, durchwächst das Myzel das Substrat
und fungiert dabei als Bindemittel (ähnlich wie
Leim). Das mit den weißen Fasern durchwachsene
Substrat wird formstabiler, weniger entflammbar und
wasserbeständiger. Zugleich sind Myzelkomposit-
Materialien zu 100% biologisch abbaubar und
kompostierbar.
Das Endprodukt wird durch das Myzel nicht größer,
lediglich die Struktur und das Erscheinungsbild
ändern sich. Gut zu wissen ist, dass Myzel in alle
Richtungen wächst, sodass Objekte unterschiedlicher
Größe ähnlich lange zum Wachsen brauchen.
Als Formen eignen sich glatte, weiche Behälter wie
beispielweise Joghurtbecher, oder Silikonformen.
Diese haben den Vorteil, dass sich das Objekt
gut herauslösen lässt. Da Papier und Pappe Lignin
beinhalten, wächst der Pilz an diesen fest.
Zum Wachsen braucht der Pilz Luft und Feuchtigkeit.
Bei einem Behälter mit Deckel sollte daher für
Luftlöcher gesorgt werden.
Durch das Erhitzen des Materials auf 70–80°C wird
der Wachstumsvorgang beendet. Anschließend
ist es wichtig, das Objekt gut durchzutrocknen,
um Schimmelbildung zu vermeiden.
Bei trockener
Lagerung ist das Material im Innenraum auf
unbegrenzte Zeit haltbar.






© lina hülsmann